7. ... an den Rhein

Falls ich mal die Zeit für ein Haustier finde, darf es ein Kater sein und er würde Garibaldi heißen. 

Genau jetzt kommt so ein Ding mit getigerten Fell um die Ecke, reibt sich schnurrend an meinen Beinen und legt sich zufrieden zu meinen Füßen nieder. Ob das jetzt ein Kater ist, weiß ich natürlich nicht, aber die Strategie der Katzen gefällt mir. Sie tauchen auf, machen es sich behaglich, kommen wann immer sie wollen, bleiben, solange es gefällt und trollen sich, wenn sie genug haben. Purer Kommunismus! Daran könnte …  Ich möchte den Gedanken gar nicht ausweiten. Mitten in der idyllischen Ruhe im Binger Wald, genauer im historischen Gerhardshof und noch genauer auf der gemütlichen Terrasse vom Waldgasthaus „Waldfrieden“ schreibe ich diese Zeilen und lasse einen herrlichen aber auch lauten Tag ausklingen.    

 

Ein spannender Tag beginnt schon kurz nach Mitternacht. Zum Thema Jugendherberge fällt mir eine Fahrt in der 5. Klasse nach Dresden ein. Wir waren eine ganz schöne Rasselbande und jeder wollte unbedingt oben schlafen. Jetzt, ein paar Jahrzehnte später habe ich das Erlebnis mal wieder und beziehe freiwillig die untere Koje. Es ist ein international besetztes Vierbettzimmer mit dem Namen Sierra Leone. Einen Mitbewohner hatte ich gestern kurz kennengelernt, Sacco aus Lissabon. Dabei sollte es bleiben. Als ich gegen 0.11 Uhr das Zimmer betrete schlafen schon alle und als ich mich gegen sieben zum Frühstück schleiche, schlafen noch alle. Ohrenstöpsel habe ich nicht gebraucht.

 

Wahrscheinlich ist das der normale Wahnsinn. Das Mainufer, gestern Ort einer riesigen Partymeile, gleicht nun einer riesigen Müllhalde. Ich will das jetzt nicht weiter kommentieren und treffe auch bald auf ein Team der Stadtreinigung, dass routiniert für Ordnung sorgt. 

 

Die nächsten Kilometer geht es mehr oder weniger am Main entlang. Durch Gewerbegebiete, riesige Industrieanlagen, über Hochwasserschutzdämme, aber auch durch Streuobstwiesen in denen Störche flanieren. Und, ich treffe endlich wieder auf ein paar Kirschbäume. Ich muss mich ganz schön strecken für die süßen Früchte. Bestimmt sind hier mehr Kirschenesser unterwegs als im Thüringer Freudental. 

 

Dann stehe ich zum ersten Mal im Leben am Ufer von Vater Rhein. Wieder kann ich etwas aus meiner Todoliste streichen. Auf der anderen Flussseite grüßt Mainz mit Dom und ich winke freundlich zurück, lass aber beides auch da drüben. Ich bleibe bequemerweise an der hessischen Riviera. Auch das hat mit der Todoliste in meiner Defizitkammer zu tun, aber davon später!  Weiter führt mich der Weg nach Wiesbaden und in ein riesiges Volksfest. Das ganze Rheinufer ist ein riesiger Rummelplatz mit unzähligen Sauf- und Fress-Buden. Kilometerlang kann ich das Rad nur vorsichtig durch die Menschenmassen schieben. Bei dem kulinarischen Überangebot gönne mir eine echte Rheinhessische Spezialität, Langosch mit Paprika und ordentlich Knoblauch. Grins! In Eltville schaue ich mir Altstadt und Burg an und entdecke im Rosengarten eine Rose die „The Pilgrim“ heißt. Die örtliche Frauengruppe bessert im Innenhof mit Kaffee und selbst gebackenen Kuchen die Vereinskasse auf. Stückpreis: 1 €. Gestärkt verlasse ich den Weg beim Vater Rhein und fahre durch die Weinberge zum Kloster Ebersbach und dann lässt die Todoliste grüßen. Ich fahre die verrückteste Gasse der Welt hinunter. Ich hab das getan! Einmal im Leben muss man sich die Glockengasse in Rüdesheim mal an tuen. Mit der Fähre geht hinüber nach Bingen und damit zum jährlichen Oldtimertreffen. Die Blues Brothers lassen im Bluesmobile, dem kultigen 74ziger Dodge Monaco, "Gimme Some Lovin" aus den Lautsprechern dröhnen. Von einer Bühne in der Nähe erfreut deutsches Liedgut und ich glaube die Wildecker Herzbuben zu erkennen.

 

Bleiben oder weiter? Von geteerten Radwegen, von lauten Städten, von Menschenmassen habe ich erst mal genug und es zieht mich weiter. Kurz vor Sankt Goar biege ich in den linksrheinischen Jakobsweg ab. Über den Eselspfad und durch das wilde Morgenbachtal marschiere ich hinauf zur Burg Rheinstein und immer weiter hinein in den Hunsrück. Die Tour wird jetzt richtig anspruchsvoll, mit Treppen, Stiegen, hohen Stufen, Wasserfällen usw. Nach dem lärmenden Treiben im Main- und im Rheintal wird es richtig einsam. Kilometerlang treffe ich keine Menschenseele. Nach einigen Höhenmetern finde ich im Gerhards Hof die wohlverdiente urige Bleibe für die Nacht. Was für Gegensätze und ich genieße es. http://www.gerhardshoefe.de/ Ü/F 40 €    

 

Fazit: Voll schön! Wie geht das nur weiter? Ich mache mich schlau und melde mich! 


Alle Tage findet ihr hier: https://www.ulliunterwegs.de/jakobsweg/


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Kommentare: 3
  • #1

    Uta Eli (Sonntag, 29 Januar 2017 16:53)

    sehr schön geschrieben, lebhaft und - man möchte mitfahren. Ich freue mich auf weitere Seiten, vielen Dank
    Uta

  • #2

    inga (Sonntag, 29 Januar 2017 17:41)

    spannende geschichten, schöne bilder

  • #3

    Ulli Salzmann (Sonntag, 29 Januar 2017 18:36)

    Dankeschön.
    Wie geht das nur weiter? Ich mache mich schlau und melde mich! Morgen kommt die Nieselregenetappe durch den Hunsrück. :-)