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von Goethe zu Bach


😊 Ich habe schon lange gewusst, dass ich einmal diesen Weg beradeln werde. Ob der Geheim Rat Goethe jemals zum Organisten Bach gewandert ist, bezweifle ich mal. Geradelt sicher auch nicht, da der Geheime Rat genau ein Jahr alt war, als der Komponist starb und Karl von Drais noch nicht einmal den Vorläufer vom Fahrrad zum Patent angemeldet hatte. Nur so am Rande. Jedenfalls gibt es den Wanderweg „Von Goethe zu Bach“ oder je nachdem wie man läuft oder radelt: „Von Bach zu Goethe.“ Mein Weg führte von Ilmenau über den Langen Rasen, über den Veronikaberg, über die Rheinsberge, über die Plauener Kuppe nach Arnstadt. Knappe 27 Kilometer die einige Attribute in sich haben, kulturell, rituell, floristisch, landschaftlich, anspruchsvoll, oberschenkelermüdend. Schwindelfrei sollte man auch noch sein. Vorneweg will ich noch erwähnen, dass der Weg einige Details aufweist, die sind für Fahrradfahrer nicht gemacht. Fast vier Stunden habe ich für die 27 Kilometer in Anspruch genommen und ich schiebe das mal auf die vielen Fotostopps, die einfach sein mussten. Kulturell geht es gleich mal los. Wer zufälligerweise meinen kleinen Abriss über den oberen Berggraben wahrgenommen hat, der weiß vielleicht, dass der Geheime Rat auf dem Schwalbenstein, den vierten Akt seiner Iphigenie (in nur einer Nacht) geschrieben hat. Wahrscheinlich bei Kerzenlicht. Heute sitzt der Dichter auf der Bank, gesäumt von bunten Steinen, die die Zeit beleuchten. Einige hundert Meter weiter stehe ich an Coronas Grab. Corona Schröter spielte die erste Iphigenie, das Ideal der schönen Seele, die nicht lügen kann und dafür leiden muss. Weiter geht der Weg nach Oberpörlitz, mit herrlichen Aussichten auf Ilmenau. Der teichreiche Wald, der folgt, heißt Langer Rasen und beinhaltet merkwürdigerweise eine eingezäunte Autobahn. Der Veronikaberg schenkte mir die elementaren Momente, die meine Muskeln wachsen lassen. Teilweise trage ich das Rad nach oben, durchs dichte Buchendickicht. Auf dem Pfad nach oben, denke ich, im dichten Buchendickicht sind dicke Buchen richtig wichtig. Es gibt aber auch jahrhundertealte Eiben und eine tolle Karolinensicht über Martinroda, die Reichentalbrücke bis hin zur Hohen Warte und den Thüringer Kamm. Es geht bergab, es geht bergauf, mal steil, mal noch steiler, zur blumenreichen Heydaer Halskappe. Die Kappe belohnt mit grandioser Sicht übers Wipfratal, den Stausee Heyda, den Singer Berg, den Langen Berg. Bergab, bergauf über hohe Wurzeln, Stock und Stein, bergab, bergauf zu den Ruinen der Raubritterburg Rheinsburg, inklusive Gipfelkreuz. Die Rheinsberge bezaubern nicht nur, sie zaubern einen Hauch Sächsische Schweiz mitten in die Thüringer Landschaft. Kleine Bastei! Teilweise geht es neben den Pfad fünfzig oder mehr Meter fast senkrecht nach unten und der Kamm ist nur wenige Meter breit. Ab der Plauer Kuppe, geht es stetig talwärts, am antiquarischen Steinkreuz vorbei, in die älteste Stadt des Freistaates. Das Ziel ist Johann Sebastian Bach und der sitzt vor der alten Arnstädter Apotheke, von da bräuchte ich auch etwas. Der Plan war, über Grießheim und Ilmradweg retour zu radeln. Wozu ein Plan, wenn auch Intuition reicht. Mein Geistesblitz heißt Hopperticket. Fazit: Wenn Thüringer Wanderwege feinstes Feingebäck wären, wäre der blau weiß markierte Weg, der Spekulatius unter den feingebackenen Wegen. Sehr gut gekennzeichnet, verlaufen (verradeln) ist nahezu unmöglich, leicht ist er aber nicht. 😊

😊     LG Ulli und entschuldigt bitte meine Fabulierlaune.


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