· 

Elbsandsteingebirge

Ich schließe meine Augen und bin wieder der kleine acht oder neunjährige Bengel, der mit seinem Vati eine Wanderung machte. Bengel trifft es richtig gut! Mein Vati drückte es konstant so aus, ich wäre der Engel mit dem großen B vorne dran. Das werde ich mal so stehenlassen. Wenn ich aber bei den Konstanten bin, so konnte ich bei vielen Gelegenheiten eine Story immer wieder hören. Der Bengel hat beim Einkehren auf der Bastei das große Glas Fassbrause auf dem ganzen Tisch verteilt. Nun sind die Konstanten etwas wackelig geworden und fünfzig Jahre vergangen. Der Vater ist jetzt fast 96 Jahre alt und kann sich nicht mehr an jede Kleinigkeit erinnern. Mein Vater lebt nun im diakonischen Radebeul und ist der Grund meiner häufigen Besuche im Elbtal. Lange Rede kurzer Sinn. Am ersten Montag im Dezember habe ich mich für zwei Nächte im Amselgrundschlösschen im Kurort Rathen eingemietet. Ein kleines Hotel mit wirklich toller Saunalandschaft. Nun weiß ich wirklich nicht mehr ganz genau, welchen Weg wir damals wanderten. Ich weiß nur noch, dass es von der Elbe zur Bastei ging und ich glaube, dass ich auf der Hälfte mit streiken begann. Hypothetisch tat ich das wohl immer und saß bestimmt etliche Meter auf den Schultern. Respekt, wenn es so war. Ich habe schon alleine etliche Mühe. Dann werde ich aber für meine Mühen reichlich belohnt. Es ist halb zehn in Sachsen und ich bin mutterseelenalleine auf der Bastei. Wahnsinn! Die Sonne beleuchtet meine Seele und im Elbtal bilden einige Nebelfelder eine bezaubernde Kulisse. Es ist wird der Auftakt zu einem gigantischen Tag. Nach den Operationen in den letzten Jahren wird es die erste Wanderung, in der ich weit über meine Grenzen gehe. Stolz, aber auch mit Schmerzen, beschließe ich den Abend in der finnischen Sauna. In der Zwischenzeit aber, bin ich auf dem Malerweg in die Stadt Wehlen gestöckelt, mit der Fähre über die Elbe, mit den Zug nach Königsstein, hinauf zur Festung Königsstein und wieder hinunter, Kaffee und Kuchen verdrückt, mit der Fähre über die Elbe und über den Lotterstieg zurück in den Kurort Rathen. Es werden über zwanzig Kilometer sein, ständig auf und ab und dass ohne Fahrrad. Vor einigen Monaten hätte ich nie gedacht, dass ich so etwas schaffe. Im charmantesten Gold leuchtet die Elbe. Selbstbewusst trinke ich nach dem Eibauer, noch ein Zweites. 

Der nächste Tag hätschelt mich mit strahlend blauem Himmel und ich fabriziere einen weitern Abstecher in meine Kindheit. 1976! Es ist die Klassenfahrt nach Dresden, in die Jugendherberge in Oberloschwitz. Um dahin zu kommen sollte man die älteste Schwebebahn der Welt benutzen. Die Jugendherberge gibt es nicht mehr, aber die Schwebebahn schwebt noch. 

Anschließend besuche ich noch mein Vati, werde geblitzt, und fahre zurück nach Thüringen.


Fazit: Mit dem Einbruch ins grüne Gewölbe hab ich wirklich nichts zu tun!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0