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Ein schönes Abenteuer - Radtour zum Bergsee an der Ebertswiese - September 2018

Ich hatte die ganze Welt besucht, achtundzwanzig Jahre hatte ich auf einer einsamen Insel auf Freitag gewartet, auf Schlittschuhen zweiundvierzigmal den Äquator umrundet, höchstpersönlich dem Yeti am Lhotse die Hand gegeben und Kim Jong-un unter einem Mangobaum geliebt. Und dann fühlte ich, dass das noch nicht alles gewesen sein konnte. Darum bin ich mal zum Bergsee an der Ebertswiese geradelt. Es wird ein schönes Abenteuer!

Es behexte mich noch mal total, dass Ende September immer noch der Sommer regiert. Und wenn ich ehrlich bin, ist die Entscheidung richtig gut, dass ich mit dem Auto bis nach Oberhof gefahren bin. Nur um nicht ganz so viele Kilometer auf dem Gewissen zu haben. Und schon ging es los. Und ich weiß auch, warum der Grenzadler Grenzadler heißt. Die hessische Enklave Schmalkalden wurde irgendwann preußisch. Die Preußen hatten es dann eilig ihre Grenzen mit dem Adlerwappen zu zieren. Dem Grenzadler halt. Fahrradfahren bildet ja so eminent. Da fällt mir ein, das dem Einstein die Relativitätstheorie auch beim Radfahren eingefallen ist. So kann ich in Gedanken die Strukturen von Gravitation, Raum und Zeit auf mich wirken lassen. Kaum war ich am sportiven Grenzadler vorbei, treffe ich den alten Holzmichel. Ja er steht noch! 😊 Der Anstieg zum Donnershauk belohnte mit fantastischen Aussichten übers Werratal bis zur Rhön. Auf dem Gipfel war wohl eine Kultstätte zu Ehren des Donnergottes.  Zum Glück habe ich den Donnergott nicht aufgeweckt und konnte weiter wolkenlosen Himmel genießen. An der Weidensuhlswiese ist die Rote Fahne gehisst. Und, das heißt, die Hütte ist geöffnet. Wissbegierig mache ich den kilometerlangen Abstecher und treffe zwei Rentner, die ehrenamtlich in der Woche die Hütte betreiben. Alle Achtung. Sie erzählen mir, dass ihnen die frische Luft so unheimlich guttut und so auf ihre alten Tage richtig jung werden. Sie verkaufen selbst gekochte Linsensuppe. Mit oder ohne Bockwurst. Ich nehme mit! Echt lecker. Vorwitzig stehen an der großen Ausspanne schon Skier vor der Hütte. Vergesst es, das wird nix. 

Dafür gehe ich am Bergsee baden, total cool. Mit mir im Wasser ist ein Pärchen aus Graal Müritz, auf dem Weg zur Überwinterung an der Algarve. Echte Vorbilder. Da ich nie denselben Weg zurück fahre wird es richtig spannend. (In Wirklichkeit wollte ich dem steilen Aufstieg zum Sperrhügel entgehen, aber dass erzähle ich niemanden. Zum Schluss wird es eh viel steiler.) Unvermittelt lande ich mitten auf dem Hermsdorfer Kreuz und dann beschließe ich auch noch einen Abstecher zur Schmalwassertalsperre und lande am coolen Röllchen. Vom Falkenstein hatte ich schon gehört, nun stehe ich davor und bin beeindruckt. 450 sausteile und trailige Höhenmeter nach Oberhof verlangen so einiges. Puh. Am Auto angelangt, habe ich noch eine verrückte Idee. Warum heimfahren, könnte ja noch ins H2O zum Saunen. Gedacht getan. Da ich nichts dabeihabe, wird das nötige Equipment ausgeliehen. Als erstes läuft mir eine ehemalige Kollegin übern Weg und die ist splitternackt. Ich übrigens auch. Also alles Gut. 

Zum Schluss muss ich noch meine verschwitzten klitschnassen Sachen wieder anziehen (blöd) und auf der Fahrt nach Hause bin ich über die Sitzheizung richtig froh. Saustark wars!

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