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Keine große Sache

Brennnesseln gedeihen hier wesentlich besser als Rosen und die Wildheit passt gut zu meinem Seelenleben.  Brennnesseln locken Scharen von Schmetterlingen an und ich meine das Taubenschwänzchen zu sehen. Zum Schluss schwirrt der kolibrihafte Schmetterling friedlich davon, ohne ein unbesonnenes Wort auf die Erde fallen zu lassen. 

Ist doch keine große Sache denke ich und sitze weiter auf der altersschwachen Bank und gucke mir ohne irgendein Fassungsvermögen etwas englische Grammatik an. Ich finde mich dafür noch nicht so ganz auf gedanklicher Höhe. Warum auch? Ich sitze in dem kleinen verwilderten Park hinter der Zentralklinik und eine vernünftige Zukunft, muss nach der Diagnose mal wieder warten. Gedanklich heule ich, von wegen, keine große Sache! Im Wald rauschen die Buchen im sanften Sommerwind und der Arzt hatte sehr viele Wörter benutzt, die genauso unverständlich klingen wie englische Grammatik. Der Arzt hatte fünfundzwanzig Minuten lang geredet und hatte Worte wie PET, Lymphknotenverdickung, Chemotherapie benutzt und ich frage mich, wie viele Wörter wohl fünfundzwanzig Minuten füllen. Ein schlichtes „Scheiße!“ hätte es auch getan und zu demselben Ergebnis geführt.

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